• 800 Jahre NSA

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    Stellen Sie sich vor, sie lebten im Jahre 1229. Das Gnadenwirtschaftssystem der römisch-katholischen Kirche sieht sich massiv bedroht durch den religiösen Terrorismus der sogenannten Albigenser, die die Sakramentenwirtschaft der alles umfassenden Kirche ablehnen und eigene religiöse Verwaltungssysteme aufbauen wollen. Die allgemeine Basis dafür soll das seit 1200 aufkommende geistliche Netzwerk der Spiritualen sein. Diese behaupten, dass sie im Hl. Geist die innere Kommunikation mit Gott und den Heiligen herstellen könnten. Sie seien deshalb nicht mehr auf die jährliche Kontrolle des Sündenhaushalts über die Beichte angewiesen. Sie könnten über die geistliche Kommunion mit Jesus Christus jene übernatürlichen Freuden empfangen, die früher nur mittels der Amtspriester verlässlich zu erhalten waren. Es kommt so weit, dass sich selbst Kaiser Friedrich II. den Spiritualen über den dritten Orden der Franziskaner verbindet.

    Angesichts dieser Bedrohungen der Gnadenmacht der allein seligmachenden Kirche setzt sich um 1229 die Auffassung durch, man müsse ein zentral gesteuertes geistliches Kontrollsystem einführen. Die dafür zuständige Behörde solle sich vor allem des Predigerorden des Dominikus und seiner Experten für spirituelle Kommunikation bedienen. Diese bekämen wegen ihrer Nähe zum Volk und ihrer volkstümlichen Kommunikationsmethoden am besten mit, wo sich gefährliche Tendenzen bildeten. Im Jahre 1231 sind auch die Bedenkenträger so weit bearbeitet und berücksichtigt, dass man zur Tat schreiten kann. Papst Gregor IX. (geb. um 1267=A4c1) errichtet die Päpstliche Inquisition. Inquisitoren müssen Häresieverdächtigen von sich aus nachgehen, sie aufspüren und vor Gericht bringen. Die Regeln der Aushorchung gelten fortan überall, wohin der Arm der Kirche reicht. Bespitzelt wird, wo man die Gefahr sieht, es könnten ketzerische Pläne entwickelt werden.

     

    Knappe 400 Jahre später, Anfang des 17. Jahrhunderts, tut sich ein analoges Problem auf. Die Konfessionen, vor allem aber die katholische Kirche und ihre katholischen Herrscher, fühlen sich bedroht durch die Verunklarung des Glaubens- und Handlungsbewusstseins. 1622 (391 Jahre nach der Inquisition) wird die sogenannte „Römische Propagandakongregation" eingerichtet. Den Missionaren, vor allem den Jesuiten, wird untersagt, mit einer gewissen Freiheit mit den örtlichen Gewohnheiten und kulturellen Verständnisebenen zu kommunizieren. Ein Spitzelsystem sorgt für die rechtzeitige Information der Kongregation, die dann entsprechende Schritte unternimmt.

    2015 (also genau 786 Jahre nach der Forderung einer Päpstlichen Inquisition) fordert der deutsche Verfassungsschutzchef Maaßen ein globales Regelwerk für den Cyberkrieg. „Ich kann mir vorstellen, dass wir im internationalen Bereich ein Regularium dafür schaffen müssen." Er empfiehlt nicht nur Staaten Selbstschutz, sondern auch Unternehmen regelmäßige Abwehrübungen. Auch Internetprovider seien in die Pflicht zu nehmen; denn „anders als früher würden radikale Botschaften zunehmend über soziale Netzwerke verbreitet." (n-tv.de v. 23.3.2015)

    Spätestens seit 2001 und im Zusammenhang mit den modernen Albigenserkriegen, die heute Irakkriege und Kampf gegen Al-Kaida oder IS heißen, wird daran gearbeitet. Dass Edward Snowden 2013 öffentlich machte, was die NSA treibt, war natürlich so nicht vorgesehen. Seither gilt er für die USA als todeswürdiger Oberketzer. Wir wissen inzwischen, dass seit Jahren die Geheimdienste wichtiger Staaten (im Mittelalter „Erz-Diözesen" genannt) zusammenarbeiten. Die Terroranschläge der jüngsten Zeit und deren Art von Kommunizierung schafft zunehmend das Klima, das man braucht, um diese Cyberwar-Kontrollmechanismen ganz offiziell und damit mit einem rational vertretenen Regelwerk einzurichten. Um das Jahr 2017 dürfte das in irgendeiner Form offiziell durchgeboxt sein, angeführt von der USA.

    Das kairologische Modell kann diese seltsamen Entsprechungen erhellen. Danach wiederholt sich alle 393 Jahrgänge innerhalb einer historischen Galaxie die gleiche Problem- und Kräftekonstellation. Auf Grund dieser Erkenntnis ließ sich 2011 schon für die Zeit von 2015 bis 2017 die Einrichtung einer weltweiten Cyber-Inquisition vorhersagen. Genau das fordert jetzt Maaßen.

     

  • Abstiegssehnsucht? Eine kairologische Reflexion

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    „Hat den Westen Abstiegssehnsucht erfasst?“ So fragte schon vor sechs Jahren die Landeszeitung aus Lüneburg. Es brauche, so meinte sie, „Politiker, die der epidemisch um sich greifenden Europa-Müdigkeit mitreißende Visionen entgegenzusetzen verstehen.“ Griechenland und die „Weltfinanzmärkte“ waren damals das Hauptproblem. Wir sind zweifellos weiter. Wir haben Trump und den Brexit. Wir nehmen erschreckt wahr, dass der Chefberater des amerikanischen Präsidenten gar von einer Revolution spricht, derer die Welt bedürfte. Wir fürchten Erdogan, Le Pen und Wilders. Was erwartet uns noch?

  • Am Ende: Ehe für alle

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    Bemerkenswert, was sich gegenwärtig am Eingang zum Haus der Ehe abspielt. Da treffen die, die aus der Ehe raus wollen, auf jene, die unbedingt hinein wollen. Und doch verstehen sie sich auf Anhieb. Denn jene, die hinaus wollen, fühlen sich genau von dem gleichen überfordert wie die, die hinein wollen, Nämlich eine bestimmte Art von Verantwortung.

    Was beide Seiten nicht leisten können und daher auch nicht wollen, ist ein dauerhaftes Zusammenleben, nicht um ihrer selbst willen, sondern um der Zukunft willen.

    Wie gefährlich es war, die Ehe der Liebe zu öffnen, das zeigt sich jetzt. Am Ende sieht die Gesellschaft nur noch den Pol der Liebe. Ist aber die Ehe Ausdruck von Liebe, dann darf sie niemandem verweigert werden. Denn wer könnte bestreiten, dass auch Lesben und Schwule einander lieben können. Gleichzeitig musste der Begriff des Rechts ausgehöhlt werden. Ehe war früher keine persönliche, sondern eine rechtliche Angelegenheit. Um der Fortpflanzung des Geschlechts willen hat man die Ehe unter staatlichen Schutz gestellt. Nur wer das leisten konnte und wollte, durfte überhaupt heiraten. Im Kirchenrecht war die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft der erste Zweck der Ehe. Der zweite Zweck war die Sorge füreinander. Von Liebe, dieser subjektiven menschlichen Qualität, war keine Rede.

    Auch die Kirche hatte ihren Teil beigetragen zur Auflösung, indem sie die Zwecke in Ziele aufgelöst und beide für gleichrangig erklärt hat. Das schien alles sehr vernünftig und menschengemäß zu sein.

    Wir stehen geschichtlich nahe am Ende der Entwicklung. Die Gleichrangigkeit war nur ein Übergang. Heute haben wir die entgegengesetzte Einseitigkeit. Vor dem Hintergrund der Gender-Ideologie wird nun auch die Fortpflanzung der Liebe untergeordnet. Auch wenn sich zwei Gleichgeschlechtliche lieben, haben sie das Recht, sich Kinder zu besorgen (Adoption) und aufzuziehen.

    Das alte Bild von der „Natur“ des Menschen mag in manchen Büchern und Gruppen noch bewahrt werden. Gesamtgesellschaftlich löst es sich auf. Es gehört zur höchsten Verwirklichung des Ideals der Autonomie, auch darüber frei bestimmen zu können. Die Rechte auf Pille, Abtreibung, Freitod waren Stationen auf einem Weg, der logisch zur „Ehe für alle“ geführt hat.

    Unbewusst steuert man damit zugleich auf eine noch umfassendere Erkenntnis zu: es gibt für den Menschen keine „Dinge“ und „Sachverhalte“, die seinem Bewusstsein unbedingt vorgegeben sind.

    Immer muss ein Faktor dazu kommen: das in Beziehung gehen. Was für Menschen Realität ist, hängt von den geschichtlichen Kräften ab, die in ihnen gerade gegeben sind. Davon wiederum hängt ab, was Worte, Begriffe, Handlungen bedeuten. Die Bedeutungen unterliegen einer meist unbewussten geschichtlichen Dynamik. Diese Dynamik verdichtet sich im historischen Kairos

    Was gerade dem historischen Kairos entspricht, sucht sich zu verobjektivieren, identisch zu werden mit etwas, was im Bewusstsein der Subjektivität entzogen ist und damit seinen Anspruch auf alle legen kann. Das ist genau die Funktion von Recht und Gesetz.

    Und genau dieses Ziel verfolgten vor kurzem einige Parteien, als sie die Ehe für alle zur Bedingung für eine Koalition nach der Bundestagswahl erhoben. Diese Bedingung sollte der CDU/CSU die Möglichkeit zur Koalition abschneiden, wohl wissend, dass diese These inzwischen im Bundestag eine sichere Mehrheit besaß.

    Der Schachzug misslang. Merkel zog sich geschickt aus der Affäre. Sie hat die Ehe für alle zur Gewissensentscheidung freigegeben. Sie persönlich war dagegen. Aber sie wollte mit dieser Sicht nicht ihr politisches Schicksal verbinden. Objektiven Anspruch hat für sie nur das Ganze. Das Ganze aber besteht aus dem, was an festen Bildern und Begriffen im Bewusstsein da ist, und dem, was viele als „Volk“ empfinden.

    Merkel bekannte sich also nicht zu etwas, sondern zum Ganzen. Sie handelte im Grunde nicht anders als bei Fukushima oder dem Migrantenproblem. Sie surft auf den geschichtlichen Wellen. Ihr Talent ist es,  auf ihrem Surfbrett lange regungslos zu warten, um sich dann im richtigen Augenblick  zu erheben und sich von der Kraft einer Welle an ein (gesetzliches) Ufer tragen zu lassen.

  • Architekt Behnisch - Erbauer des Münchner Olympiastadions

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    Günter Behnisch, Jahrgang 1922, ist tot. Er war es, der als Architekt das schwebende Glasdach des Olympiastadions in München plante. Mit seinem Prinzip des „transparenten Bauens" wollte er hier wie anderswo ein Zeichen für ein demokratisches Deutschland setzen. Behnisch ist kairologisch so interessant, weil er den letzten Jahrgang jener Aufbruchsgeneration (Jg. 1896 bis 1922, im HOKsys: C4a) repräsentiert, die die Muster für jene „offene Gesellschaft" schuf, die seit dem 18. Jahrhundert im Sinne von „Aufklärung" angestrebt wurde.

  • AUF DEN KAIROLOGISCHEN SPUREN VON MERKELS ATOMPOLITIK

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    Die Kunst der Politik ist, die richtige „Welle", also jene „kritische Masse" abwarten zu können, mit der sich die vorhandenen Hindernisse überwinden lassen und auf der sich dann wirklich so surfen lässt, wie man eigentlich will. Die Wirkung des Unglücks von Fukushima in Deutschland und die Reaktion von Merkel ist ein gutes Beispiel dafür. Die Bevölkerung ist emotional betroffen, die Atomlobby ist argumentativ geschwächt. Auf einmal funktioniert der Schwenk: Moratorium für 7 AKWs (von denen viele sicher nicht mehr ans Netz gehen werden), auf die Schnelle zwei neue Kommissionen. Natürlich spielen die Landtagswahlen eine gewisse Rolle, da es auch um Machterhaltung geht, aber der Kern liegt woanders, im historischen und geistigen Kairos von Merkel selbst.

    Es erweist sich, dass die Kernkraft nicht so sicher ist wie behauptet. Für die technischen Probleme ist Kommisson 1 zuständig. Es erweist sich ferner, dass das „Volk" längerfristig keine AKWs mehr will. Zu welchem gemeinsamen Willen aber reicht die Kraft? Das ist die Frage für Kommission 2. Die weisesten 14 Vertreter und „Nothelfer" der „Öffentlichkeit" sollen einen möglichst breiten Energiekonsens der Gesellschaft formulieren. Aus beiden soll ein neuer Zielkonsens hervorgehen, zu dem Merkel dann die Realität Schritt für Schritt hinführen will.

    Es gäbe viele andere Wege, wie die Kommentare in den Medien zeigen. Warum also so und nicht anders? Hier ist Merkels Maximumfaktor, ihr Kairos gut zu erkennen. Sie (Jahrgang 1954) gehört zu einer sogenannten „Beziehungsgeneration", in der die Menschen nicht nur Funktion gewisser objektiver Güter sind, sondern diese Güter und die geschichtliche Bewegung zwei zunächst selbstständige Pole des Ganzen sind, die beide ihre volle Kraft erst dann entfalten, wenn sie auf ein Drittes, ein gemeinsames Ziel bezogen sind. In diesem Generationsfeld steht Merkel am Ende der ersten von vier Schichtungen (Jg. 1948/49 bis 1954). Dies bedeutet, dass sie, die „Moderatorin", glaubt, ihr Maximum zu leisten, indem sie für das Handeln eine möglichst große geistige Willensplattform schafft. Irgendetwas in ihr sagt ihr: Je klarer ist, was wir alle gemeinsam wollen, desto größer ist die gesellschaftliche Kraft zur Verwirklichung.

    Das Ergebnis wird in diesem Falle eine Art überparteilicher „Energiekonsens" sein. Wie so etwas, angewandt auf die deutsche Wirklichkeit, aussehen wird, lässt sich gut an der „Erklärung anlässlich des 50. Jahrestages der Unterzeichnung der Römischen Verträge" von 2007 ablesen. „Wir verwirklichen...; wir streben...; wir leben und wirken...; wir wahren... mit der Konsequenz, dass alle Regierungschefs die EU bis 2009 „auf eine erneuerte gemeinsame Grundlage" stellen wollten. Damals beklagten die christlichen Kreise den fehlenden Gottesbezug. „Zufällig" allerdings wurde diese reine Botschaft, dass wir in der EU „zu unserem Glück vereint" sind, an einem 25. März verkündet, dem liturgischen Festtag der Verkündigung der Frohen Botschaft durch den Engel Gabriel an Maria, neun Monate vor Weihnachten. Gut möglich, dass der Energiekonsens nächstes Jahr an Pfingsten besiegelt wird.
    © Dr. Karl Hofmann

  • Auf der "Höhe der Zeit" sein

    Niemand muss auf der „Höhe der Zeit" sein. Man sollte sich aber auch nicht wundern, wenn einen eine neue Welle unter sich begräbt, während ein anderer mit Spaß darauf surft. Die historischen Wellen kommen gemäß der Logik des historischen Meeres. Wellen lassen sich nicht wegreden. Man kann nur sie und das dazugehörige Meer bewältigen. Wer ein Schiff durch die Wellen der Gegenwart zu steuern hat, der sollte möglichst auf dem aktuellsten Stand der Navigation sein.

  • Beust und Co. Politikerrücktritte im besten Alter

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    Konnte sich früher jemand vorstellen, dass Politiker wie Strauß oder Wehner sich im besten Mannesalter hätten aus der Politik ins „Privatleben" zurückziehen können? Stellvertretend für diese Uraltgeneration von Politikern äußerte erst kürzlich Helmut Schmidt sein Unverständnis für solches Verhalten. Innerhalb eines Jahres verabschiedet sich ein halbes Dutzend Ministerpräsidenten inmitten der jeweiligen Amtszeit (außer Rüttgers) und dies mit auffallend ähnlich lautenden und nichtssagenden Argumenten wie „alles hat seine Zeit".

  • Bundespräsident Wulff und Weihnachten 2011

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    Wer will, kann sich am ersten Weihnachtstag das Kairos-Muster unseres Bundespräsidenten Christian Wulff (Jg. 1959) anschauen. Dieser  hält wie schon letztes Jahr die Weihnachtsansprache nicht mehr am Schreibtisch sitzend, sondern im Stehen, umringt von ebenfalls stehenden Bürgerinnen und Bürgern, die sich ehrenamtlich verdient gemacht haben.

    Nun empfehle den Interessierten, sich zuvor das Kairos-Kalenderblatt vom 24. Juni 2010 durchzulesen. Da heißt es unter anderem zu Wulffs polarem Muster maximalen Handelns: „Die gemeinsamen Zukunftsziele müssen in der vertrauensvollen wechselseitigen  Beziehung von Staat und Volk entstehen.“ Köhler hat sich noch besonders für Afrika engagiert, für Wulff steht die eigene Volksgemeinschaft im Mittelpunkt. Er versteht sich als der Jogi Löw einer freien und bunten Gesellschaft verschiedener Lebenswelten. Die Aktivierung aller Kräfte geht am stärksten aus der Haltung des „Respekts“ hervor. Auch innerhalb der Weltgemeinschaft sei Deutschland „hoch geachtet“. Seine Aufgabe definiert der Präsident so: „Mut zusprechen“

  • Bundespräsidentenwahl 2010

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    Am 30. Juni wird der neue Bundespräsident gewählt. Wer von den Kandidaten ist der bessere? Wer ist politischer, moralischer, volkstümlicher? So sind die Fragen des Blätterwaldes. Kairologisch dagegen beschäftigt ihr Maximumfaktor, ihr historischer Kairos. Darunter verstehen wir etwas, was für viele undenkbar ist, weil es dem gängigen Konsens über Geschichte widerspricht. Geschichte ist nicht bloß die Summe des Geschehenen, sondern ihre Realität bildet primär ein geschichtliches Kreativfeld ab, eine Art unsichtbares energetisches Internet, das räumlich und zeitlich geordnet ist.

  • Bundestagswahl 2013: Merkel und Steinbrück

    Peer Steinbrück und Angela Merkel

    Kairologisch haben wir nicht die Aufgabe, Wahlergebnisse vorherzusagen. Wichtiger ist es, die maßgeblichen Persönlichkeiten tiefer zu verstehen.
    Angela Merkel (Jg. 1954/C4c1). Die Bundeskanzlerin steht am Ende der ersten Schichtung einer Beziehungsgeneration. Sie hat mit ihren 59 Jahren die Zeit der persönlichen Selbstentfaltung ausgeschöpft und befindet sich gerade am Ende des ersten Lebensquants der 10. Lebensphase. Vor 8 Jahren hat sie sich die Macht erkämpft, vor  4 Jahren hat sie diese vernünftig mit der FDP geteilt. Jetzt agiert sie aus einer Position der Ruhe und persönlichen Überlegenheit heraus. Inzwischen ist offensichtlich, dass sie nicht als Funktion von Prinzipien zu verstehen ist. Sie orientiert sich vielmehr an der möglichen geistigen Beziehung, die sich zwischen den Prinzipien, an die sie glaubt, und den Menschen, wie sie sich verändern, herstellen lässt. Sie hat den Fall Fukushima hergenommen, um aus der Atomkraft auszusteigen. Damit nahm sie ihren Gegnern ein wesentliches Anliegen aus der Hand. Sie erkannte hier ein allgemeines Bedürfnis, auch wenn die praktische Umsetzung dieser Kehrtwende bis heute nicht geklärt ist.Wie ist Merkel zu verstehen? Stets ist ein Dreifaches zu bedenken: 1. Sie vertritt geistig bestimmte Prinzipien. 2. Ihr zweiter Pol sind die Menschen, wie sie in ihrer Dynamik einfach sind. 3. Sie stellt in ihrer Person zwischen beiden eine Beziehung her, die sich in einem bestimmten Verantwortungsbewusstsein zeigt. Die daraus hervorgehenden Zielsetzungen sind ihre eigentliche kreative Leistung. Warum schadet es Merkel nicht, dass sie wiederholt ihre Positionen wechselt? Weil bei ihr die Menschen den Grund eher darin sehen, dass ihr im Zweifelsfall das Wohl des Staates wichtiger ist als die Programmatik ihrer Partei. Daher geht die Strategie der SPD, ständig an diesen Wandel zu erinnern, nach hinten los. (Das geht auch aus politologischen Untersuchungen an dem Mannheimer Uni hervor, vgl. Süddeutsche Zeitung v. 22.8.2013,2.). 

  • Burka-Volk und Medien

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    Das Problem der Wahlforschung ist, richtig zu erfassen, was für das „Volk“ bedeutsam ist. Bisher ging man davon aus, dass im Allgemeinen die Menschen das sagen, was sie denken, und das denken, was sie fühlen bzw. für bedeutsam halten.

  • Der „Live-Ticker“

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    Wir steuern technologisch auf die reine Gegenwart zu. Die alte statische website soll bald ausgedient haben. Alle Infos im Internet werden dann zeitlich strukturiert sein. „Als Gesamtkomposition wird der Liveticker zur absoluten Präsenz, die Zeit und Ewigkeit zusammenfallen lässt

  • Der Fall von Bischof Mixa - kairologisch betrachtet

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    Gerade in Grenzsituationen kommt zum Vorschein, welchem spezifischen „Feld" von historischer Generation und Schichtung wir unterliegen. Der Fall des Augsburger Bischofs Walter Mixa ist dafür ein erhellendes Beispiel. Es sind manchmal die kleinen Besonderheiten, bei denen viele einfach nur den Kopf schütteln, die das tiefere Handlungsmuster enthüllen. Wie sich diese Felder verändern und sich in der Wirklichkeit spiegeln, ist eben das Thema der Kairologie.

  • Der Internet-Wolf und die sieben Geißlein

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    Elektronik ist männlich, Internet weiblich. Das ist krass formuliert. Gemeint ist eine bestimmte Tendenz. Am PC oder Handy ist eine gewaltlose Kommunikation angesagt. Mit Fäusten oder Lautstärke ist hier nichts zu machen. Das Glück liegt in der Empfänglichkeit für diese Art von Kommunikation. Sie ist leichtfüßig und bringt umso mehr Kontakte, als wir keine Information  vor anderen zurückhalten. Es kommt darauf an, nichts zu wollen, einfach im Austausch zu sein, sich hinzugeben an das Medium.

  • DER KAIROS GRIECHENLAND

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    Was Zeus konnte, kann offenbar sein jüngster Sohn Kairos auch – auf Europa reiten. Der Fall von Griechenland (und bald anderer) beschäftigt uns – wie damit umgehen? Ein existenzielles Problem für die Führungskräfte Europas. Es stellen sich auch grundsätzliche Fragen angesichts der politischen und finanzwirtschaftlichen Fakten. Wie hat dieses WAS mit dem WANN zu tun? In welchem Tempo verändern sich die Möglichkeiten des Denkens und Handelns zum Thema Europa?

  • Der welthistorische Kairos von Papst Benedikt XVI.

    Papst Benedikt XVI

    718 Jahre lang wagte es kein Papst mehr zurückzutreten. Warum tat es Benedikt XVI.? Keine akute Krankheit, keine Demenz. Die Rede war nur vom Alter, von nachlassenden Kräften, – das hätte auch für die meisten Vorgänger gegolten. Wenn es aber – vor allem aus Sicht der Kardinäle – keine echten Argumente gab, warum dann? Um welchen letzten großen symbolischen Akt ging es Benedikt? 

    Dazu müssen wir dorthin schauen, wo sich zwischen Input und Output in einem Menschen die Welt nach Kraft und Bedeutung ordnet. An diesem „Ort“ verbindet sich unser Hier und Jetzt mit einer größeren menschlichen Dynamik, die wir gewöhnlich nur ahnen. Dort, an diesem namenlosen „Ort“, den man auch „Seele“ nennen könnte, wird entschieden, was für jeden das „Optimum“ im Ganzen ist. Wir haben viele Namen für unsere Beziehung zu diesem „Ort“, von dem unsere eigentlichen Gewissheiten ausgehen. Immer geht es dabei um Kairos, hier um einen echten historischen Kairos. 

    Was war der historische Kairos, der einem Josef Ratzinger mit dem Jahrgang 1927 mitgegeben war? Auf welche Weise glaubte er, seiner Berufung am besten gerecht zu werden? Gewöhnlich können wir darauf nur antworten, indem wir eine lange Kette von Indizien schmieden, die wir gemäß der eigenen Perspektive auswerten. Der Vorteil des Kairos-Wissens ist: Wir können den inneren Horizont einer Persönlichkeit in seinem Generationsfeld verorten. Das führt uns auch in diesem Falle zu einer schnelleren und sichereren Wertung. 

  • Die Heilige und der Spielverderber

    Sowohl in den Medien als auch im Bundestag erschienen zwei Tage danach die Rollen klar verteilt. Merkel hatte mit engelsgleicher Geduld, lächelnd und ohne festgelegte Vorstellungen die Sondierungsgespräche geführt. Lindner war der Spielverderber, der wohl immer schon diese teuflische Absicht hatte.

  • Die neue Kairos-Generation. Beobachtungen

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    1 Zahlen sprechen für sich selbst
    Für den Wired-Chefredakteur Chris Anderson werden in einer Welt, in der big data verfügbar ist, kausale Erklärungen überflüssiger. „Wer weiß schon, warum die Leute das tun, was sie tun? Der Punkt ist, dass sie es tun – und wir es nachverfolgen und mit bisher unerreichbarer Genauigkeit messen können. Wenn man genug Daten hat, sprechen die Zahlen für sich selbst." - Eine praktische Umsetzung dieser radikalen Idee ist die Dating-Plattform OkCupid. Ihr Chef sagte: „We're not psychologists, we´re math guys."

    Hier interessiert nur noch die Dynamik der Daten selbst. Es ist die Wirklichkeit, die in sich Muster und Bewegungen enthält. Daten sind Ausdruck eines gewissen Geistes, der ihre eigentliche Mitte ist. Es gibt immer einen Mehrwert, der noch der ernstesten Sache eine Spur „Spiel" hinzufügt. Die junge Generation spielt den Ernst. Sie drückt im Tun aus, was ihr eine Idee gerade bedeutet. Eine Wirklichkeit organisiert sich, löst sich wieder auf (Occupy, Piraten), formt eine neue Welle, vielleicht größer, fester rationaler.

    2 Einheit im Streitsuchen
    Da sind vier junge Studenten in München (Jg. 1987-1989), deren Blog unter dem Slogan steht: „Wir suchen Streit". Sie diskutieren über Tagespolitik, wollen politische Themen neutral darstellen und gleichzeitig Diskussion unter den Lesern anregen. Für sie gehört Politik zum Leben und Denken, aber sie schreiben für Leute, die sich nur über einen Facebook-Post weiterbilden. Auch suchen sie Beiträge aus erster Hand.
    Interessant dabei ist, dass sie den Widerspruch suchen, die unmittelbare Begegnung wollen. Für sie zeigt sich der gemeinsame Geist gerade im Gegensatz, den man aushält, nicht im Konsens, den man sonst braucht.

    Wie all das einordnen? Warum kommt es so und nicht anders? Wie führt die Dynamik weiter? Genügt hier ein intuitives Verstehen oder kausale Erklärungen? Wir glauben, dass uns hier ein kairologisches Verständnis tiefer und weiter führt. Es führt uns zum Generationsfeld dieser jungen Generation, zu ihrer Art von Wahrnehmung, zu ihren Schichtungen, zu den historischen Entsprechungen, zur weiteren Zukunft...

     

  • Diversity

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    Von Diversity ist heute viel die Rede. Doch „Vielfalt" kann sehr unterschiedlich gedeutet werden. Ist sie die Folge einer inneren geistigen Einheit? Ist sie die Frucht persönlicher Beziehungen und guter Gemeinschaften? Ist sie das Ergebnis eines Systems, das alle trägt und führt?

  • DOKTORTITEL ODER MINISTERAMT? ZU GUTTENBERG UND SEIN KAIROS

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    Die Nation diskutiert über zu Guttenberg und seine Doktorarbeit. Das Thema ist so heiß wie gegenwärtig Libyens Sand. Da es die Menschen bewegt, offenbaren die öffentlichen Diskussionsrunden gut die Grundeinstellungen der Beteiligten. Wie aber stellt sich der Fall kairologisch dar? Hier spielen geschichtliche Zeitfenster und die damit verbundenen Deutungsmuster eine entscheidende Rolle.

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