Wie kann jemand übermenschliche Macht und Anerkennung (in der Form von Millionen Euro oder Dollar) in Anspruch nehmen? Man rechtfertigt sich üblicherweise mit der großen Aufgabe, der sozialen Verpflichtung, der Konkurrenz der Besten. Aber ist das wirklich der Kern, aus dem die Gewissheit kommt, es zu verdienen?

Ist das nicht eher die Vorlage der PR-Abteilung, die eine perfekte Argumentationsmaske konstruiert, die man öffentlich immer zu tragen hat? Die Wirtschaftspsychologin Spiegel sagt: „In Situationen der Not zeigt sich der wahre Charakter“. Lloyd Blackfein, der frühere Chef von Goldman Sachs, begründete sein exorbitantes Einkommen in der Krise von 2009 mit der Aussage: “Ich bin nur ein Banker, der Gottes Werk verrichtet.“

Das hätte auch Bill Gates oder Steve Jobs sagen können. Gott braucht diese Auserwählten, die tun, was er will. So würde man in Deutschland nicht reden, aber gemeint ist dasselbe, wenn ein Matthias Müller, der neue VW-Vorstand, unter dem Druck des Augenblicks sagt, VW habe nicht gelogen - denn, könnte man sagen, VW lüge grundsätzlich nicht – VW interpretiere die Dinge höchstens anders als der Normalbürger. Das gleiche gilt für Schrempp, der hinsichtlich seines wahren Verständnisses bei der Chryslerübernahme die Aktionäre belog, das aber als „psychologischen Umweg“ titulierte.

Gerade heute ist es schwer, hinter die Maske zu blicken. Die eigentliche Frage ist: Worauf kommt es jemandem wirklich an? In welchem selbstverständlichen Horizont agiert er oder sie?

Kohl zum Beispiel hätte lieber auf seine Partei als auf sein Ehrenwort verzichtet. Schröder trat lieber zurück, als dass er seine Agenda 2010 infrage gestellt hätte. Merkel würde lieber als Kanzlerin gehen, als ihre universalen Grundwerte aufzugeben oder zu relativieren. Auf der Basis dieses Bekenntnisses handelt sie. Seehofer wiederum verlangt aber gerade das. Sie soll das Bekenntnis revidieren. So hat jeder den Punkt, an dem etwas Unbedingtes ins Spiel kommt .

Auch Journalisten tragen ihre Maske. Sie heißt zum Beispiel Political correctness. Die Regel ist die stabiltas mentis. Der Wechsel von einem journalistischen Kloster (Redaktion) in das andere ist eher eine Ausnahme. In Deutschland glaubt man zum Beispiel an universale Werte, zugleich an die enge Verbindung von Wirtschaft und Wohlstand (Geld). Und man denkt anders über Moral als die Amerikaner. Aus deren Sicht hat Matthias Mueller bei seinem USA Besuch einen schweren moralischen Fehler gemacht. Aber dieser Fehler wird in Deutschland nicht auf der Ebene der Moral behandelt, sondern man ordnet ihn unter die Fälle der Zeit-Fehler ein, d.h., man hat im richtigen Moment das Falsche gesagt. Aber warum dies so reflektiert wird und nicht anders, wird wiederum nicht reflektiert.

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