Bundespräsident Richard von Weizsäcker vor dem Bundestag  am 8. Mai 1985

Richard von Weizsäcker, am 31.1.2015 gestorben, ist ein herausragendes Beispiel für das Potenzial, das jenes Generationsfeld enthielt, das die „Offene Gesellschaft" anstrebte. Geboren 1920, gehörte er zur vierten Schichtung. Sein Horizont war die größtmögliche Einheit in der Vielheit eigenständiger, freiheitlicher Bürger. Nicht umsonst erhielt er den bezeichnenden Titel „Bürgerpräsident". Er lebte eine ehrliche, persönliche, an den Tatsachen orientierte Ethik und Politik. Diese persönliche Verantwortung und Würde stellte er über Partei und Verträge. Daher ließ er sich von keinem Lager vereinnahmen, sondern sah sich immer zuerst seiner persönlichen Einsicht und Handlungskraft verpflichtet. Er forderte die Politiker immer wieder dazu auf, ein „Beispiel zu geben" für das offene Miteinander. Diese persönliche Würde und Offenheit fand seinen besten Ausdruck in seinem Schreiben und Reden, das stets geschliffen, edel, feinsinnig und nie verletzend war. In seinem Handeln repräsentierte er das Handeln aller Gutwilligen, betonend, dass es „keine endgültig errungene moralische Vollkommenheit" gebe. In diesem Sinne sprach er am 8. Mai 1985 etwas aus, mit dem er in und außerhalb von Deutschland die größte ihm mögliche Resonanz erzeugte: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung." Ein großartiger Stern am geschichtlichen Himmel des okzidentalen Systems hat seinen historischen Kairos vollendet.

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