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Gabriel hat am 23. Januar eine Diskussionsrunde mt Pegidaanhängern und –gegnern in Dresden besucht. Er sagte in der Diskussion selber nichts, redete aber danach mit den Menschen, die dabei waren. Dass er damit seine Generalsekretärin brüskierte und auch viel Lob von der falschen Seite bekommen würde, hat er sicherlich mit seiner Erfahrung gewusst. Er nahm es in Kauf – warum?
Kairologisch scheint das ein klassischer historischer Kairosmoment zu sein. Er offenbart, worauf es einem ankommt, was sich bei jemandem zwischen Input und Output abspielt, welche Wertigkeit etwas hat und wo er insgesamt gerade steht. Für fast jeden Politiker lassen sich solche historischen Kairosmomente nachweisen, in denen der Sinnkern deutlich erkennbar aufleuchtet. Man denke z.B. an den Punkt, an dem Helmut Kohl sein Ehrenwort über das Gesetz stellte, an den Abschiedsbrief von Helmut Schmidt für den Fall eines RAF-Kidnappings oder daran, mit welcher Hingabe Angela Merkel alle Regierungschefs der EU auf die Lissaboner Erklärung einschwor. In unterschiedlicher Weise zeigten sie, welcher historische Kairos über ihnen wie ein Bethlehemsstern stand und zu welchem Opfer sie dafür bereit waren, um ihrem Stern bis zum Ende zu folgen.
Wo steht Gabriels Stern und aus welcher Perspektive schaut er gerade darauf? Für Gabriel ist Politik ein polares Geschehen. Die auffallende Harmonie der großen Koalition wird wesentlich getragen von einer doppelten Führungsspitze der SPD (Gabriel, Steinmeier), die zum historischen Feld der zweiten Schichtung einer Beziehungsgeneration gehört, also zu den Jahrgängen 1955 bis ca. 1961/62. Deren historische Kairosposition lässt sich sehr genau bestimmen. In Gabriel hat seine Ausstrahlung in der aktuellen Kairos-Lebensphase bereits eine große Ganzheit erreicht. In diesem Fall zeigt sie sich in der Kraft und in dem Bedürfnis, direkt (wenn auch nur symbolisch) mit den Menschen (auch der Pegidabewegung) ins Gespräch zu kommen. Die Ganzheit seiner Politik besteht aus den beiden Polen „SPD" (mit all ihren politischen Grundsätzen und all ihrer Parteigeschlossenheit) und „Bürger" (mit all ihren aktuellen Sorgen, Empfindungen, Gedanken). Wie er in der eigenen Partei unterscheidet zwischen der Organisation und den Menschen, so auch bei Pegida. Das Optimum liegt für Gabriel in der Resonanz beider Seiten. In diesem Sinne sah er die Notwendigkeit, ein Zeichen zu setzen.
Damit konfrontiert Gabriel bewusst die Gesellschaft mit der in ihm ausgereiften Weltanschauung und testet zugleich, wen diese Position anspricht. Ergebnis: Die Funktionäre sind düpiert, 80% der Emails aus dem Volk, die in der Parteizentrale ankommen, sind positiv.

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