Paris vor einem Jahr.  Kurz vor Weihnachten will jemand im Blumengeschäft einen Adventskranz. Es sei eine neue Mode, so vermerkt ein Korrespondent dazu, sich einen deutschen Adventskranz nach Elsässer Art in die Wohnung zu stellen. Allerdings, wird angemerkt, wüßte kaum jemand,worin genau der Sinn der vier Kerzen bestehe. Bei uns dürfte immerhin noch bekannt sein, dass der Advent der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest dient und die vier Kerzen die vier Adventssonntage bezeichnen. Aber warum vier? Hier gibt das Christentum aus kairologischer Sicht eine tiefgründige Antwort.

Makrohistorisch symbolisiert der Advent die Sehnsucht und Vorbereitung der Menschheit auf die Vereinigung von Gottheit und Menschheit in der „Fleischwerdung" des Logos in Jesus Christus. Dieser neue und endgültige „Bund" wird in der Gestaltung des AT auf vier Transformationsstufen vorausgebildet.
Am Anfang steht der Bund mit „Noah" – nach der Sintflut eine neue Einheit der ganzen Menschheit mit Gott. Die zweite Stufe ist der Bund mit „Abraham". Er bezieht sich bereits auf eine bestimmte Generationenkette von Nachkommen. Auf der dritten Stufe steht der Bund mit „Mose". Er realisiert sich über eine gemeinsame, von Gott vorgegebene Vernunfteinheit, versinnbildlicht in den Gesetzestafeln (Torah). Die letzte Stufe ist der Davidsbund. Er verkörpert die Einheit von Jahwe mit einem konkret geschichtlichen Staat „Israel", bezogen auf ein prähistorisches kleines Land und eine nach wie vor existierende Hauptstadt Jerusalem.


Einheit der Menschheit – Volkseinheit – Rechtseinheit – monarchische Handlungseinheit: auf vier Stufen verwandelt sich eine symbolische Beziehung aller in eine konkrete geschichtliche Form. Diese dient später als Vorbild und Rechtfertigung für das Urmuster einer orientalen Hochkultur. Deren Einheit wird wesentlich begründet durch das unterschiedliche Verhältnis zu einer Messiasgestalt. Seine wesentlichen Formen sind uns bekannt als Christentum, Judentum und Islam.
Was hat das mit der Kairologie zu tun? Die Einheit der Menschheit liegt in ihrer schöpferischen Möglichkeit, eins zu sein. Innerhalb von über 100.000 Jahren verwandelt sich diese not-wendige Möglichkeit in reale Einheitsformen. Wir kennen die Bruchstellen der Verwandlungsstufen. Vor ca. 40.000 Jahren, vor ca. 12.000 Jahren, vor ca. 5000 Jahren begannen neue Entwicklungsebenen. Der Weg ging von umherschweifenden Großfamilien, über Stämme, Völker bis hin zu den riesigen geschichtlichen „Galaxien", die wir kulturell-historische Systeme nennen. Dome, Schlösser, zivilisierte Wunderwerke sind die letzten Formen, in denen sich die Menschheit selbst objektiviert und sich als „Bund" erfährt.
Bevor die heilige „Hochzeit" von Gott und Mensch symbolisch gefeiert wird, erinnert sich die Christenheit symbolisch der vier Verwandlungsstufen, die vorher durchschritten werden mussten. Denn auch unsere Gegenwart des Jahres 2010 hängt mit jenem ersten Tag der Menschheit zusammen, an dem eine winzige Differenz zwischen Sehnsucht nach Einheit und Realität auftrat. Für jede neue Generation lautet die Kernfrage: Wie ist eine Erfüllung dieser Sehnsucht möglich? Wie ist es möglich, eins mit dem Ganzen zu sein, ohne diese Einheit von außen selbst zu erzwingen? Ein Neugeborenes kann Problem und Antwort am besten versinnbildlichen. Schwerer ist zu begreifen, warum diese eine wahre Geburt vor über 2000 Jahren für alle Menschen notwendig war. Hier hilft nur jener heilsgeschichtliche Blick, den die vier Adventssonntage verkörpern. Die Menschheit steuerte nach christlichem Verständnis von Gott her zielstrebig auf diese Er-lösung zu, um damit alle Realität in bedeutungsvolle Realität zu verwandeln.
© Dr. Karl Hofmann

 

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