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Günter Behnisch, Jahrgang 1922, ist tot. Er war es, der als Architekt das schwebende Glasdach des Olympiastadions in München plante. Mit seinem Prinzip des „transparenten Bauens" wollte er hier wie anderswo ein Zeichen für ein demokratisches Deutschland setzen. Behnisch ist kairologisch so interessant, weil er den letzten Jahrgang jener Aufbruchsgeneration (Jg. 1896 bis 1922, im HOKsys: C4a) repräsentiert, die die Muster für jene „offene Gesellschaft" schuf, die seit dem 18. Jahrhundert im Sinne von „Aufklärung" angestrebt wurde.

Diese „jugendbewegte" Generation, die von Erich Maria Remarque (1898, „Im Westen nichts Neues") bis zu Richard von Weizsäcker (Jg. 1920, Bundespräsident) reichte, ließ das 1000fach ideologische Denken der vorausgehenden Kulturphase hinter sich. Sie glaubte an die innere demokratische Kraft der Völker, an den Sieg eines freiheitsliebenden Geistes, an die gesellschaftliche Einheit bei größtmöglicher Transparenz. Das Olympiagelände umfasste alle (sportlichen, kulturellen) Betätigungsfelder der Gesellschaft (auf dem Schutt des zerstörten Münchens) unter einem Schutzdach, das kaum belastete und durchlässig war für den Blick auf den Himmel. Karl Poppers offenes Gesellschaftsmodell war perfekt in Architektur umgesetzt. Kein Wunder, dass Behnisch mit allen Mitteln verhinderte, dass das Olympiastadion zu einem rein funktionalen Fußballstadion umgebaut wurde. Er wollte sich DAS Symbol seiner Generation nicht zerstören lassen.

Dr. Karl Hofmann

Kairos-Kalenderblatt 13. Juli 2010

Weitere Informationen dazu in: Karl Hofmann, KAIROS. NAVIGATOR DER MENSCHLICHEN ZEIT, Augsburg 2010

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