Wer will, kann sich am ersten Weihnachtstag das Kairos-Muster unseres Bundespräsidenten Christian Wulff (Jg. 1959) anschauen. Dieser  hält wie schon letztes Jahr die Weihnachtsansprache nicht mehr am Schreibtisch sitzend, sondern im Stehen, umringt von ebenfalls stehenden Bürgerinnen und Bürgern, die sich ehrenamtlich verdient gemacht haben.

Nun empfehle den Interessierten, sich zuvor das Kairos-Kalenderblatt vom 24. Juni 2010 durchzulesen. Da heißt es unter anderem zu Wulffs polarem Muster maximalen Handelns: „Die gemeinsamen Zukunftsziele müssen in der vertrauensvollen wechselseitigen  Beziehung von Staat und Volk entstehen.“ Köhler hat sich noch besonders für Afrika engagiert, für Wulff steht die eigene Volksgemeinschaft im Mittelpunkt. Er versteht sich als der Jogi Löw einer freien und bunten Gesellschaft verschiedener Lebenswelten. Die Aktivierung aller Kräfte geht am stärksten aus der Haltung des „Respekts“ hervor. Auch innerhalb der Weltgemeinschaft sei Deutschland „hoch geachtet“. Seine Aufgabe definiert der Präsident so: „Mut zusprechen“

Das neue Ritual ist nicht einfach eine Modeerscheinung, sondern liegt tiefer begründet. Es ist eine von Wulffs Antworten auf die Frage, wie er als Präsident seiner Aufgabe maximal gerecht werden könne. Sein Reden und Vorgehen bildet kairologisch sehr schön das polare Muster ab, zu dem sich Wulff durch seinen Jahrgang innerhalb seiner Beziehungsgeneration hingezogen fühlt. Die stärkste Kraft erwächst darin nämlich aus echten persönlichen Beziehungen, auch „väterlichen“, wie im Falle Geerkens.  Genau dieses Muster erweist sich aber als sein Schwachpunkt in der Medienkampagne, die gegenwärtig gegen ihn inszeniert wird. Wulff ist sich keiner persönlichen Schuld in Form einer Vorteilnahme bewusst, er will diese Vertrauensbeziehungen nicht in Frage stellen (deshalb äußert sich bisher nur sein Anwalt), gerät dadurch aber fast in eine Lage, wie sie Kohl (um eine Generation versetzt) mit seinem „Ehrenwort“ hatte.

Da solche persönlichen Beziehungen, die auch in Urlaubsreisen zum Ausdruck kommen, sehr vielfältig interpretiert werden können, lassen sich die Tatsachen leicht zum Nachteil von Wulff und dessen Amt ausnützen. Sehr viel hängt jetzt davon ab, wie lange das „vollste Vertrauen“ der Kanzlerin währt.


© Dr. Karl Hofmann

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